KAPITEL 1: Beschissene Anfänge

Alles fing an einem stinknormalen Montag an. Ich war am Tag zuvor mal wieder viel zu spät ins Bett gegangen, und so war ich entsprechend müde. Also, mein Wecker klingelte. Ich, schlaftrunken wie ich war, tastete eine Weile blind in der Gegend rum bis ich das Scheißding endlich zu fassen bekam, dann warf ich es in hohem Bogen gegen die Wand.

Das hatte ich zumindest vor. Aber irgendwie klang das Aufprallgeräusch viel weiter weg... Ich hob den Kopf und sah, dass meine Tür offen stand, warum auch immer. Ich schlurfte zum Treppengeländer und sah das Unvermeidliche: Mein Wecker lag total kaputt und verteilt auf einige Treppenstufen und den Fußboden im Erdgeschoss, daneben stand meine Mutter und sah mich vorwurfsvoll an. Da ich keinen Bock auf lange Konversationen hatte, sagte ich irgendwas von wegen „Selber schuld wenn du meine Tür aufmachst“ und begab mich zurück in mein Zimmer. Der Tag fing ja toll an.

Nachdem ich geduscht hatte, setzte ich mich, immer noch müde, an den Tisch und begann meine Cornflakes zu löffeln. Keine Ahnung wo meine Eltern auf einmal hin waren, nein, moment, mein Vater war ja schon arbeiten, und meine Mutter war wahrscheinlich irgendwo draußen. Egal.

Als ich mich gerade für die Schule fertig machen wollte, klingelte das Telefon. Ich dachte nur „fuck you“, dann ging ich aber trotzem hin und nahm den Hörer ab.

„Ja?“

„Ichbndrflb!“

Auch wenn ich nichts verstanden hatte, das konnte nur Philipp sein. Wer meldet sich sonst so.

„Oh, hi! Was ist denn?“

„Ich bin total erkältet, ich kann heute nicht zur Schule kommen.“

Na toll.

„Ok, dann mal gute Besserung. Soll ich dir gleich die Hausaufgaben vorbeibringen?“

In dem Moment, in dem ich die Frage gestellt hatte, bereute ich es auch schon wieder. Zusätzliche Arbeit konnte ich doch wirklich nicht brauchen, auch wenn es selbstverständlich war, das zu machen. Naja, jetzt war es ja sowieso schon zu spät.

„Ja, das wäre nett!“

War ja klar. Als ob er nicht genau wüsste, dass... naja, auch egal. Er konnte ja nichts für meine schlechte Laune. Also verabschiedete ich mich, zog mir meine Schuhe an, wuchtete mir die – mal wieder viel zu schwere – Tasche auf den Rücken, zerrte mein Fahrrad zwischen denen meiner Eltern hervor und fuhr los. Als ich so etwa die Hälfte des Weges erreicht hatte, fiel mir auf, dass ich meinen Schlüssel vergessen hatte. Aber drauf geschissen, mein Fahrrad ist so ein Schrotthaufen, das klaut keiner. Und zuhause war ja meine Mutter, die würde mir aufmachen.

Ich bog in den Asternweg ein und... was war das? Beziehungsweise, was war das NICHT? Diese Frage konnte ich problemlos beantworten: Die Sporthalle. Die war nämlich definitiv kein schätzungsweise zwanzig Meter tiefes Loch, das sich da befindet, wo sonst eben die Halle war. Leicht verwundert rollte ich an den Rand des Loches, und was ich da sah, verschlug mir den Atem.