KAPITEL 5: Wo ist Pedro?

Das konnte doch nicht sein?? Ich war doch zehn Minuten geklettert, und ich hatte nicht nur die zwanzig Meter nicht geschafft, sondern hatte mich noch nicht mal BEWEGT?

"Tja, ich hatte es dir ja gesagt", seufzte der Hustinettenbär. "Du musst wohl oder übel..."

"Was? Was muss ich tun?" Der Kerl redete ja dauernd davon, aber ich hatte keine Ahnung wie diese Aufgabe aussehen würde.

Er schwieg einen Moment, dann sagte er: "Komm mit ins Kontrollzentrum, Pedro wird es dir erklären."

Pedro? Och nöö, langsam reichte es mir aber. Schön und gut, es war eine Sache, die Welt zu retten, aber... Naja, vielleicht hatte ich ihn ja nur falsch verstanden.

"Meinst du etwa Maximi..." - "Nein, der doch nicht. Ich meine Pedro. Pedro aus Lima. Erinnerst du dich?

Ja, ich erinnerte mich sehr gut. Pedro aus Lima war die Hauptperson eines Herrkieselerdkundearbeitsblatts gewesen. Aber gab es ihn wirklich? Die Frage stellte ich auch dem Hustinettenbär.

"Klar gibts den! So, und jetzt komm, wir müssen in den Geräteraum."

Ich folgte ihm dort hinein, aber es sah immer noch aus wie der Geräteraum unserer Sporthalle. Und von Pedro aus Lima sah ich auch nichts.

"Äh, bist du sicher, dass..." - "Ich werde ja wohl wissen wo wir lang müssen. So, hilf mir mal, die Tischtennisplatten wegzuräumen."

Gesagt, getan. Als wir die hochkant aufgestellten Platten einige Meter weggeschoben hatten, sah ich einen rechteckigen Umriss in der Wand. Der Hustinettenbär drückte dagegen und die Tür schob sich ein paar Zentimeter nach hinten und glitt dann zur Seite weg.
Hinter der Öffnung war ein ziemlich großer Raum, etwa so groß wie das PZ der Schule. Darin befanden sich viele seltsame Geräte, die ich noch nie gesehen hatte, ber auch normale Computer, Bildschirme und sogar eine Spülmaschine.
Was die da sollte, wollte ich lieber gar nicht wissen. Ich erkundigte mich stattdessen, wo Pedro denn sei. Der Hustinettenbär gab zu, dass er es auch nicht wusste.

"Pedro ist manchmal etwas abwesend." Er lachte über sein unglaublich lustiges Wortspiel. "Ich ruf ihn mal an."

Ich wollte gerade fragen, womit denn, da griff er in sein rechtes Ohr und holte ein Handy hervor, das genauso aussah wie eine Telefonzelle, bloß kleiner natürlich. Er tippte eine Nummer ein und wartete einige Sekunden. Dann schien sich jemand gemeldet zu haben, denn der Hustinettenbär schrie auf einmal wie ein Verrückter in den Hörer.

"Pedro, du Vollidiot! Wo bist du schon wieder? Hier geht alles drunter und drüber! Deine Kollegen haben uns den Falschen gehört, der kann jetzt nicht mehr raus, die Welt geht bald unter und wo bist du? Wahrscheinlich sitzt du zuhause vor der Glotze und siehst dir irgendwelche dämlichen Datingshows an, genau wie letztes Mal! Wer weiß ob wir es nochmal hinkriegen! Aber dich scheint das ja alles ziemlich wenig zu interessieren! Ich würde dich entlassen wenn wir dich nicht bräuchten, du verdammter..." Er verstummte. Wahrscheinlich hatte Pedro laut "Ruhe!" geschrien.
Nach einigen Minuten voller Argumentationen legte der Hustinettenbär auf.

"Wie ichs mir gedacht hab. Er sitzt zuhause vor dem Computer und schreibt hirnrissige Geschichten. Irgendwas mit Weltretten oder so. Ich frag mich wer sowas liest..."

"Und was machen wir jetzt?"

"Er wird so schnell kommen wie es geht. Während wir warten werde ich dir einfach mal ein bisschen was über mich erzählen. Das könnte dir weiterhelfen."

Ich war ehrlich gesagt wenig angetan von diesem Vorschlag. Zuviele Leute hatten mir schon ihre halbe Lebensgeschichte erzählt. Aber andererseits, ich hatte ja nichts besseres zu tun.

"Okay, fang an."