KAPITEL 10: Das Pedromobil

Gesagt, getan. Rediensch drückte einen Knopf an seinem Schreibtisch, daraufhin klappte ein Stück der Wand des Raumes, in dem wir waren, nach vorne, und ich konnte das Innere eines relativ großen Fahrstuhls sehen. Es war ein ganz normaler Fahrstuhl, es lief sogar Musik. Es war zwar das neue Album von Hansi Hinterseer, aber irgendein Haken ist ja immer dabei, und wir würden wahrscheinlich nicht lange im Fahrstuhl sein.

Denkste!

Wir standen schon etwa eine Viertelstunde im Fahrstuhl, der sich stetig bergab bewegte, als ich den Hustinettenbären fragte, ob es ein Problem gab.

"Nein, überhaupt nicht!", antwortete er. "Die Erdkruste ist nun mal ziemlich dick, und auch wenn wir nur einen Bruchteil davon durchdringen müssen, dauert es trotzdem eine ganze Weile. Bald müssten wir aber da sein."

Das hoffte ich auch, und ich wurde nicht enttäuscht: Etwa drei Minuten später ging ein plötzlicher Ruck durch den Fahrstuhl, und die Tür öffnete sich. Der Hustinettenbär, Pedro und ich gingen hinaus und befanden uns in einer großen Halle, in der die verschiedensten Fahrzeuge standen - glücklicherweise waren sie in einem viel besseren Zustand als die, die ich auf dem Schrottplatz gesehen hatte. Pedro setzte sich zielstrebig in Bewegung.

"'ier lang, Leute! Unser Fahrzeug steht gleich hier drüben!"

Er deutete auf ein Gerät, das auf den ersten Blick aussah wie ein Zeppelin, aber als wir näher herankamen, sahen wir, dass es Räder hatte und komplett aus Metall bestand. Es war etwa fünf Meter lang und hatte vorne ein relativ kleines Fenster. Es war rot angemalt, und in großen, gelben Buchstaben stand "Pedromobil" darauf.

"Ist das dein Auto, Pedro?", fragte ich.

"Ja, ganz recht! Was ihr 'ier seht, ist mein ganzer Stolz! Ich 'abe es komplett alleine gebaut, und..."

"Na na na, Pedro, wir wollen doch nicht lügen", fiel ihm der Hustinettenbär ins Wort. Zu mir gewandt fuhr er fort: "Sagen wir es mal so: Pedro hat die Arbeiter bezahlt und durfte ab und zu mal was festhalten."

Pedro machte ein beleidigtes Gesicht. "Das brauchst du ihm aber nicht unbedingt direkt unter die Nase zu reiben! Ich 'ätte auch gerne mal ein wenig Anerkennung!"

"Die kannst du haben, wenn du das Höllentor geschlossen hast. Hättest du jetzt die Güte, dein", er räusperte sich, "selbstgebautes Gefährt zu öffnen?"

Missmutig griff Pedro in die Tasche und holte einen großen Schlüsselbund heraus. Er hatte keine Probleme, den passenden Schlüssel zu finden, denn dieser war in einem genauso knalligen Rot lackiert wie das Auto selbst. Er drückte auf den Knopf, der in den Schlüssel eingebaut war, und am hinteren Ende des Pedromobils ging eine Klappe auf und eine kurze Leiter schob sich hinaus. Ich musste zugeben, dass Pedro gute Arbeit geleistet... pardon, leisten lassen hatte.

"Ich muss zuerst noch kurz testen, ob alles funktioniert, dann können wir losfahren", erklärte Pedro. "Schließlich ist das eine sehr wichtige und gefährliche Aufgabe, die wir 'aben, da muss ich auch sicher sein, dass das Auto nicht kaputtgeht."

Das sahen wir natürlich ein, und so setzten wir uns neben dem Pedromobil auf den Boden und warteten. Im Inneren des Fahrzeugs hörte ich einige beunruhigende Geräusche, und ich fragte, ob alles in Ordnung war.

"Keine Sorge, ich teste nur grade die Funkanlage, die brauchen wir, um uns während der Fahrt zu unter'alten."

"Ich will dir ja jetzt nicht widersprechen, aber ich glaube nicht, dass wir uns in einem grade mal fünf Meter langen Auto über Funkgeräte unterhalten müssen!"

"Normalerweise ist das auch so, aber 'ier liegt ein Sonderfall vor. Durch Umstände, die ich bis'er nicht aufdecken konnte, macht das Mobil seit einiger Zeit beim Fahren schrecklichen Lärm, bei dem man nicht mal mehr versteht, was man selber sagt."

"Ungeklärte Umstände", lachte der Hustinettenbär. "Du weißt ganz genau, dass du bei unserem letzten Auftrag den Schalldämpfer geschrottet hast!"

"Das war ich nicht! Das war eine von diesen Mini-Lenkraketen!"

"Ja, und zwar eine von uns, die du gestartet und gelenkt hast! Du kannst froh sein, dass ich dich gezwungen habe, den Tank mit einer zusätzlichen Schutzschicht zu ummanteln, sonst müssten wir uns ums Hören jetzt überhaupt keine Gedanken machen, weil wir nämlich in die Luft geflogen wären."

Pedro seufzte. "Wie auch immer, ich bin jetzt jedenfalls fertig. Kommt rein und setzt euch!"

Ich sah jetzt zum ersten Mal das Innere von Pedros Fahrzeug. Überall blinkten bunte Lichter (von denen Pedro wahrscheinlich zu neunzig Prozent nicht wusste, wofür sie gut waren), und vorne, in der Mitte und hinten befanden sich jeweils zwei Sitze.

"Setz dich am besten in die Mitte", riet mir der Hustinettenbär. "Ich sitze vorne neben Pedro und gleiche seine Dummheit aus."

"Jetzt reichts aber", zischte Pedro. "Wenn du mich weiter so niedermachst, dann kannst du das Höllentor selber schließen!"

"Das wär vielleicht sogar besser. Naja, wie auch immer, jetzt sind wir hier, also lasst uns nicht lange warten. Je eher wir losfahren, desto besser."

Ich setzte mich auf den linken, mittleren Stuhl und schnallte mich fest. Pedro sagte mir, ich solle die Kopfhörer aufsetzen, die über mir hingen. "Die schützen dich erstens vor dem Krach, und zweitens kannst du über das eingebaute 'eadset mit uns in Verbindung bleiben." Gesagt, getan, und als wir mit den Sicherheitsvorkehrungen fertig waren, löste Pedro die Handbremse und ließ den Motor an. Er hatte nicht untertrieben, selbst mit den schützenden Kopfhörern auf den Ohren war es noch immer extrem laut.

"Alles klar bei euch?", sprach Pedros Stimme aus meinem Kopfhörer. Ich bejahte. "Okay, dann gehts jetzt los!"