KAPITEL 11: Leichte Komplikationen

Pedro parkte aus und fuhr dann geradewegs auf eine Wand zu, was mich ziemlich erschreckte.

"Äh, Pedro, bist du sicher, dass du richtig fährst? Da vorne ist eine Wand!"

"Keine Sorge, ich weiß, was ich tue. Das da vorne ist ein 'ologramm, in Wirklichkeit ist das die Einfahrt zu Lautobahn."

Der Hustinettenbär schien kurz zu überlegen, dann riss er panisch Pedros Lenkrad herum und lenkte den Wagen in eine andere Richtung.

"Du Vollidiot! Die Einfahrt ist da hinten! Du wärst mitten gegen die Wand gefahren, wenn ich dich nicht aufgehalten hätte!"

"Ää', tut mir wirklich leid, 'ustinettenbär, da 'ab ich mich wohl geirrt."

Der Hustinettenbär seufzte. "Also echt, Pedro, wenn du mich nicht hättest, wärst du schon seit zwanzig Jahren tot."

Pedro schwieg und fuhr auf die Wand zu, in deren Richtung ihn der Hustinettenbär gelenkt hatte. Zu meiner Erleichterung war es wirklich die richtige Wand, und wir zerschellten nicht, sondern durchdrangen das Hologramm und befanden uns jetzt in einem Tunnel mit asphaltiertem Boden.
Da wir nichts zu tun hatten außer zu fahren, beschloss ich, den beiden ein paar Fragen zu stellen.

"Sagt mal, wie ist das eigentlich mit Satan, also dem, der jetzt Gott heißt? Ist der jetzt da oben im Himmel und macht nichts?"

"Naja, ich würde nicht sagen, dass er nichts macht", antwortete der Hustinettenbär. "Er hat schon eine ganze Menge zu tun, mit den ganzen Leuten, die da reinwollen und so weiter. Petrus hat nämlich..."

Schön und gut, aber Petrus interessierte mich im Moment eher wenig. "Nein, ich meine, warum kann er uns nicht helfen? Er hat Gott, also den heutigen Satan, doch schon einmal besiegt! Warum kommt er nicht einfach runter zu uns und unterstützt uns?"

"Naja, ich denke schon, dass er das gerne tun würde, aber er kann nicht. Als Gott in die Hölle verbannt wurde, die er jetzt nicht mehr verlassen kann, hat er Satan nämlich so verflucht, dass er, solange Gott in der Hölle ist, den Himmel auch nicht mehr verlassen kann."

"Überhaupt nicht?"

"Naja, es gibt eine Möglichkeit, aber das ist völlig hirnrissig. Niemand wäre so dumm, das zu machen."

"Was ist das denn für eine Möglichkeit?"

"Vergiss es, das sollten wir nicht mal besprechen. Es ist zu wahnsinnig, als dass wir es tun könnten. Ich möchte nicht mehr darüber reden. Außerdem haben wir ja den Fineliner, mehr brauchen wir sowieso nicht."

Ich gab auf. Er schien stur zu bleiben, mehr würde ich aus ihm nicht herausbekommen. Ich dachte noch ein wenig über das nach, was wir gerade taten. Das war ja schon ziemlich...
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ein heftiger Ruck durch das Pedromobil ging. Der Motor ging aus und ich hörte ein ohrenbetäubendes Krachen.

"Scheiße", rief Pedro. "So ein verdammter Mist!"

"Was ist denn los?", fragte der Hustinettenbär.

"Na was wohl? Der Motor ist kaputt!"

"Kannst du ihn reparieren?"

"Schon, aber dazu muss ich erstmal die Klappe vorne aufbekommen. Das geht nur mit etwas, was lang und dünn ist, das braucht man als 'ebel. Normalerweise 'ab ich deswegen immer eine Eisenstange dabei, aber die hab ich vergessen."

"Hier wirds doch wohl irgendwas langes, dünnes geben! Du wirst schon was finden."

Pedro nickte skeptisch und öffnete die Tür des Pedromobils. Er ging hinaus und öffnete eine Klappe an der Seite.

"'ier ist nichts drin! Was soll ich machen?"

"Lass dir was einfallen, verdammt nochmal! Wir sind hier auf einer wichtigen Mission!"

Ich hörte, wie Pedro die Klappe wieder schloss. Ein paar Minuten war es still, dann sagte er: "Ich 'ab eine Idee! Gleich 'ab ich die Klappe auf!"

Es knackte kurz, dann hörte ich Pedro wieder. "Na also, geht doch! A'a, das ist nichts schlimmes, das 'ab ich gleich."

Und wirklich, nach etwa fünf Minute kam Pedro grinsend wieder zur Tür herein. "Na also, ich bin also doch für was gut! Weiter gehts!"

Er setzte sich ans Steuer und startete das Pedromobil. Wieder kam dieser fürchterliche Lärm, und dann fuhren wir weiter. Etwa eine halbe Stunde später gelangten wir zu einer riesigen, leicht rötlich leuchtenden Höhle.

"'ier ist es! Wir parken am besten 'ier 'inten, wer weiß... vielleicht wird das ne ziemliche Sauerei mit dem 'öllentor."

Er hielt an, und wir betraten die Höhle. Es war die größte Höhle, die ich je gesehen hatte. Sie war kreisrund und hatte einen Durchmesser von mindestens zweihundert Metern. Die Höhe schätzte ich auf etwa hundert Meter. Am anderen Ende sah ich jetzt die Quelle dieses Leuchtens: In der Wand war ein ziemlich großes Loch, hinter dem es anscheinend sehr stark brannte. Das musste das Höllentor sein! Das bestätigte mir auch direkt der Hustinettenbär.

"So, Steffan, das da hinten ist das Höllentor. Ich glaube nicht, dass wir da hinlaufen müssen, wir können es auch von hier aus schließen Pedro!"

"Ja?!"

"Das ist dein großer Moment! Hol den Fineliner raus und schreib was das Zeug hält!"

Pedro griff in seine Tasche und merkte direkt, dass er sich wieder vertan hatte. Er steckte Osama Bin Laden zurück, griff in die andere Tasche und holte den Fineliner heraus. Er begann zu schreiben, doch nichts tat sich.

"Was ist denn los, Pedro?"

"ich weiß nicht. Ich schreibe grade, dass das Tor sich schließt, aber es geschieht einfach über'aupt nichts!"

"Vielleicht ist er falsch eingestellt?"

"Das kann eigentlich nicht sein, dann könnte ich ja nicht schreiben, dass das Tor zugeht. Aber ich kuck trotzdem mal nach."

Er hielt sich den Stift vor die Augen und drehte ihn. Sein Gesichtsausdruck wurde immer panischer.

"Was ist denn los?", fragte der Hustinettenbär argwöhnisch.

"Naja, ähm, also...", druckste Pedro herum, "äh, also, erinnert ihr euch noch an eben, wo ich etwas langes, dünnes gesucht 'abe?"

Der Hustinettenbär wurde bleich. "Sag, dass das nicht wahr ist!" Er packte Pedro am Kragen. "Verdammt noch mal, SAG DASS DAS NICHT WAHR IST!"

Pedro grinste verlegen. "Ich wusste, dass ich zwei Fineliner in der Tasche 'atte. Ich war eigentlich auch sicher, dass ich den genommen 'atte, der keine magischen Fä'igkeiten 'at... aber anscheinend 'abe ich mich geirrt."

Der Hustinettenbär lief mit erhobenen Fäusten im Kreis herum. "Du bist sowas von dumm! Du bist überhaupt nicht zu gebrauchen! Kannst du nicht einmal, verstehst du, nur EIN EINZIGES MAL was richtig machen?"

"Hört mal", unterbrach ich ihn, "streiten hilft uns jetzt auch nicht weiter. Wir müssen überlegen, was wir jetzt tun sollen!"

"Wie, was wir jetzt tun sollen? Unser Plan ist im Eimer, verstehst du? Es war unsere einzige Möglichkeit, der Stift war unsere einzige Hoffnung, und Pedro hat ihn verloren!"

"'alt mal, 'ustinettenbär. Ich 'abe ihn gar nicht verloren!"

"Wie bitte? Warum sagst du das nicht gleich! Was hast du mit dem Stift gemacht?"

"Naja, nachdem ich damit die Klappe geöffnet 'abe, 'ab ich ihn mir in die 'osentasche gesteckt."

"Dann hol ihn raus!"

"Da gibts ein Problem", wandte Pedro ein. Er griff in seine Tasche - diesmal direkt in die richtige - und holte ein schwarzes, verkohltes Etwas heraus.

Der Hustinettenbär winkte ab. "Den kann man nicht mehr gebrauchen. Wir sind verloren!"

"Warte mal", sagte ich, "was ist denn mit dieser Möglichkeit, von der du gesprochen hast?"

"Jetzt hör auf damit. Das wird eh nichts."

"Na und? Du kannst es mir doch trotzdem erzählen!"

"Also gut, wir haben im Moment sowieso nichts zu tun. Also, wie ich gesagt hatte, ist diese Möglichkeit völlig hirnrissig. Weißt du, Gott wurde vom Großwesirfurunkel von Schlurf verbannt..."

"Der, der diese russische Tabelle lesen kann?"

"Genau der. Also, wir müssten erstmal zu ihm gehen und ihm die V.O.L.L.K.O.R.N.B.R.O.T. melden. Das wäre schon ein Problem, weil wir sie umbenennen müssten. Der Name sagt ja aus, dass wir in der Tabelle nicht verzeichnet sind."

"Das ist doch kein Problem, dann heißt ihr halt anders!"

"Naja, okay, aber dann sind wir auch nicht mehr geheim."

"Warum seid ihr überhaupt geheim? Was bringt euch das denn? Der Großwesirdingensda ist doch auf eurer Seite! Wenn ihr bei ihm verzeichnet wärt, dann würde er euch wahrscheinlich sogar helfen!"

"Das verstehst du nicht, hier gehts ums Prinzip. Naja, jedenfalls, was jetzt kommt, ist schon total wahnsinnig. Wir müssten ihn nämlich bitten, den Bann, der Gott in der Hölle hält, zu brechen."

"Was? Aber dann kann er doch auf die Erde kommen!"

"Genau, aber das ist die einzige Möglichkeit, Satan aus dem Himmel zu holen, damit er uns helfen kann."

"Stimmt, da hast du recht. Und wie würde es weiter gehen?"

"Naja, jetzt kommt das nächste Problem. Satan hat sich wahrscheinlich so daran gewöhnt, im Himmel festzusitzen, dass er gar nicht mehr versucht, herauszukommen. Kann man ja auch verstehen. Die Frage ist jetzt, ob er überhaupt bemerkt, dass er den Himmel verlassen kann!"

"Wahrscheinlich nicht."

"Eben! Also müssten wir ihn benachrichtigen. Das Problem ist jetzt, wie sollen wir in den Himmel kommen? Weißt du, der Himmel ist nicht wörtlich gesehen über uns. Er ist sozusagen auf einer anderen Ebene der Realität, die man als normaler, lebendiger Mensch nicht erreichen kann. Es gibt nur eine Möglichkeit, dorthin zu kommen."

"Was, meinst du etwa..."

"Ganz recht, man muss sterben!"

"Naja, sterben ist ja eigentlich nicht schwer."

"Na gut, dann übernimmst du das."

"Was? Nein, ich, äh, also hör mal, so hatte ich das..."

"Hör du jetzt mal, Steffan. Du bist der Messias! Du bist der einzige, der uns helfen kann! Du und kein anderer kann Satan benachrichtigen. Also musst du sterben!"

Das waren ja tolle Nachrichten.