Kapitel 3: Warum ich so bin wie ich bin!

Diese Frage zu beantworten, ist ebenso schwer, wie es ist, auf einem Bein Kopfstand zu machen: Es ist nämlich nahezu unmöglich. Trotzdem werde ich es natürlich versuchen.

Also zuallererst muss ich sagen: Ich bin gar nicht so wie ich bin! Es scheint nur so, im Prinzip bin ich jedoch ganz anders. Das mag sie jetzt verwirren, aber das liegt bloß daran, dass es relativ wenig Sinn ergibt. Ungeachtet dessen möchte ich die Tatsachen jetzt einmal klarstellen.

Ich sehe mein Verhalten nicht als persönliche Eigenschaft, sondern vielmehr als bewusste und geschickt inszenierte Parodie auf das Verhalten jener Leute, die so sind, wie ich vorgebe zu sein. Wenn ich also einmal albern zu sein scheine, versetze ich mich in Wirklichkeit nur in die Persönlichkeit eines albernen Menschen, versuche herauszufinden, wie dieser handeln würde, und handle dann selbst so, um die Gesellschaft durch subtile Botschaften darauf aufmerksam zu machen, wie merkwürdig sich alberne Menschen doch verbreiten. Ich habe die Fähigkeit, dies so täuschend echt nachzuahmen, dass die meisten Menschen überhaupt nicht merken, dass es nur gespielt ist, und mich wirklich für albern halten.

Haben Sie das verstanden? Ja? Ähm... nein? Na gut, das macht auch nichts, es ist nämlich eigentlich gar nicht wahr. Also, nur so halb. Ich habe diese Eigenschaft wirklich, jedoch benutze ich sie im Alltag nicht, stattdessen habe ich sie soeben benutzt, um Sie glauben zu lassen, dass ich die Fähigkeit hätte – ja genau, in dem gleichen Satz, den Sie hier immer noch lesen! Also wenn Sie sich jetzt fragen, ob ich die Eigenschaft denn jetzt habe oder nicht, dann werde ich Ihnen diese Frage nicht beantworten, sondern Sie mit einer Gegenfrage konfrontieren, die da lautet: Beantworten Sie diese Frage mit nein?

Sie sehen, ich bin ein Meister der Verwirrung. Zu einem solchen konnte ich werden, weil ich mich mit meinem merkwürdigen Mumpitz (Moritzsche Abschweifung: Boah, das waren fünf Wörter hinter-einander, die mit dem Buchstaben M anfangen! Geil, ey!) selbst der-maßen verwirre, dass ich in mir selbst ein gutes Studienobjekt gefunden habe, und durch Beobachtung meines eigenen Verhaltens im Zustand der Verwirrung konnte ich einerseits herausfinden, wie sich verwirrte Menschen verhalten, andererseits auch, welche Faktoren dazu beitragen, dass jemand verwirrt wird. Diese Taktiken übernahm ich selbst, um damit wiederum andere zu verwirren.

Sind Sie jetzt verwirrt? Toll, dann habe ich mein Ziel nämlich erreicht – die bisherigen Absätze dieses Kapitels haben nämlich ausschließlich den Zweck, den Leser zu verwirren. Es mag durchaus möglich sein, dass sich in ihnen ein paar wahre Aspekte verbergen, aber ich werde Ihnen garantiert nicht sagen, welche das sind, denn wenn Sie das wüssten, dann hätten Sie ja eine Antwort auf die Frage, die in der Kapitelüberschrift gestellt wird, bekommen, und das Ziel dieser Abschnitte ist ja das genaue Gegenteil.

Da kommt mir übrigens ein Einfall, von dem ich nicht genau weiß, ob er mit dem Thema jetzt etwas zu tun hat oder nicht, das macht aber nichts, ich schreibe ihn jetzt einfach mal auf. Die Sache beschäftigt mich nämlich schon länger, nein, tut sie nicht, doch, tut sie wohl.

Kann man überhaupt etwas sagen, das überhaupt keinen – und ich meine damit wirklich GAR KEINEN – Sinn ergibt? Oder sind alle Dinge, die man sagt, irgendwie auch mit dem verbunden, was im Gehirn so vor sich geht? Also, wenn ich jetzt zum Beispiel, weil ich mich entschlossen habe, etwas Sinnloses von mir zu geben, ohne jeden Zusammenhang das Wort „Tomate“ sage, warum habe ich mich dann dazu entschlossen, genau dieses Wort zu sagen? Ist es einfach nur der Wunsch gewesen, ein Wort zu sagen, was nichts mit dem aktuellen Thema zu tun hat? Oder habe ich irgendwo in der hintersten Ecke meines bemitleidenswerten Gehirns meine Hirnwindungen dermaßen verschwurbelt, dass ich den Knoten niemals wieder lösen könnte, und dabei aus dem aktuellen Thema – oder auch aus etwas, was ich so vor mich hingedacht habe – die absurdesten Schlussfolgerungen gezogen, so dass ich irgendwie und auf nicht nachvollziehbaren Wegen auf das Wort Tomate gekommen bin?

Die Antwort auf alle im letzten Absatz gestellten Fragen lautet ganz klar: Nein! Genau wie die Antwort auf die Frage, ob es überhaupt einen Sinn ergibt, all diese Fragen gleichzeitig mit nein zu beantworten. Damit wären wir wieder
a) beim Thema „Fragen mit nein beantworten“ (siehe S. 11)
b) bei der Frage, ob etwas keinen Sinn ergeben kann (siehe S. 12)

Da ich beide Themen äußerst interessant finde und mich einfach nicht entscheiden kann, über welches Thema ich zuerst spreche, tue ich einfach etwas anderes und rede über etwas, das mit beidem nichts zu tun hat – sehen Sie, schon wieder etwas zu Punkt b! Man kommt aus diesem Teufelskreis nicht mehr heraus, wenn man sich erst einmal hineinbegeben hat! Wer a sagt, muss auch b sagen, sagt man... doch stimmt das überhaupt? Vielleicht ja, vielleicht nein. Ist mir auch egal, denn wie gesagt (Moritzsche Abschweifung: „Wie gesagt“ ist eine Redewendung, die mein Französischlehrer extrem gerne benutzt, ganz besonders vor Sätzen, in denen er dem Kurs etwas zum ersten Mal sagt), ich werde jetzt über etwas ganz anderes sprechen.

In diesem Teil des Satzes duze ich dich, in diesem Teil sieze ich Sie jedoch.

So, jetzt gibt es ein Problem: Ich weiß mal wieder nicht, worüber ich schreiben soll! Andere Autoren (Vorsicht, über diesen Begriff werde ich noch etwas sagen!) würde jetzt eine Pause machen und irgendetwas tun, was ihre Inspiration anfacht. Doch nicht ich, ich schreibe einfach weiter. Mir wird schon was einfallen... also, zum Begriff „Autor“: Schreibt man das Wort etwas anders, lautet es „Out-Ohr“. Normalerweise gehen die Schallwellen aber doch in das Ohr rein und nicht aus dem Ohr raus! Haben Autoren als Folge daraus also andersherum funktionierende Ohren?

Ich denke nicht, dass es so ist, vielmehr habe ich das Gefühl, dass ich an diese Frage mit dem falschen Ansatz herangehe. Meiner Meinung nach ist es nämlich eher so, dass Autoren Ohren haben, die aus (also out) dem Kopf herausgucken – was wiederum bedeuten würde, dass alle Leute, deren Ohren aus dem Kopf herausgucken, Autoren sind.

Sie sitzen jetzt in ihrem Sessel, auf Ihrem Sofa, auf Ihrem Stuhl oder, falls Sie sich keine Möbel leisten können, auf dem Rücken ihres Lebensabschnittspartners, weil Sie beide sich abwechselnd auf alle Viere begeben, so dass der jeweils andere einen Sitzplatz zum Lesen hat – Achtung, ich schweife ab! Das wäre jetzt nicht weiter schlimm, aber ich habe hier nirgendwo „Moritzsche Abschweifung“ hingeschrieben! Es heißt nun also, wieder zum Thema zurückzufinden.

Also, wie ich schon einmal sagen wollte: Sie sitzen irgendwo herum, lesen mein Buch und denken sich folgendes: „Moment mal, ey... meine Fresse, alter! Ick han ja ooch Ohren, die wo aus meim Kopp rausguggen tun! Bin ick nu ooch so n Bücherfutzi oda wat, alter?“ Ich beantworte diese Frage einfach mal ganz kackdreist mit: Ja! Sie wissen es vielleicht nicht, aber Sie können auch ein Buch schreiben! Setzen Sie sich mal an den Computer (oder wenn Sie keinen haben, bringen Sie sich doch um! Das Leben ist scheiße! Aaaaah!) und versuchen Sie es. Sie werden sehen: Es klappt nicht! Egal was Sie auch schreiben, es wird in 99,9% der Fälle totale Scheiße sein. Sie habe einfach kein Talent!

Zu Recht fragen Sie sich jetzt: „Ey verdammtnochma, dat Opfer wo dat Buch jeschriben hat, der hat doch jesacht, ick würde dat können tun!“  – naja, die Lösung ist ganz einfach: Ich habe Sie angelogen. Oder vielmehr: Ich wollte zuerst die Wahrheit sagen, aber dann habe ich gemerkt, dass das in so eine schnulzige Aufmunterungsnummer mündet, und darauf hatte ich keine Lust. Ich hätte nur noch sagen müssen, dass wir gemeinsam stark sind, das hätte dem Kitsch die Krone aufgesetzt.

Nicht dass ich etwas gegen eine positive Grundeinstellung hätte, aber das ist doch mittlerweile Mainstream! „Wir können es schaffen“, oder auch „Yes, we can“ – alles das Gleiche. Es ist nicht immer alles möglich, würde ich jetzt einfach mal zu sagen wagen. Oder ist es so, dass ich nur, weil ich daran glaube, dass ich es kann, plötzlich fliegen kann? Auf die Nase vielleicht. Wäre ich eine Person, die zu irgendwelchen albernen Revolutionen aufruft, würde ich jetzt folgendes sagen:

Leute, es ist Zeit, die Sache realistisch zu sehen: Die Welt ist scheiße, und das einzige, was wir tun können, ist, es uns hier so angenehm wie möglich zu machen. Es gibt Leute, die arbeiten ihr ganzes Leben lang hart, um eine gute Zukunft haben zu können. Nur, welche Zukunft? Ich meine, wenn sie für die Zukunft arbeiten, dann würde das höchstens Sinn machen, wenn diese Zukunft irgendwann mal anfangen würde. Aber es ist ja nicht so, als würden diese Personen sich in ihrem Kalender einen Tag markieren und mit einem dicken, roten Edding „Zukunft“ daneben schreiben! Nein, diese Leute haben keine Gegenwart, sondern nur Zukunft, wenn man es mal radikal (oder Rattikarl?) ausdrücken will.

Warum? Also, was soll das? (Ich wollte eigentlich eine schlauere Frage stellen, aber ich hatte keine Ahnung, welche...)

Ich hatte ja eben schon gesagt, dass die Welt scheiße ist und wir das Beste daraus machen sollten. Naja, vielleicht auch nicht – vielleicht ist die Welt ja schon perfekt! Ich meine, vielleicht ist die Welt ja sowas ähnliches wie ein Film, der immer weiter geht, egal was passiert. Sie verstehen jetzt wahrscheinlich nicht, was ich damit sagen will... naja, ich lasse mal die Überleitung aus und gehe direkt zu dem über, was ich aus dieser Überleitung schließen würde, wenn es sie denn gäbe.

Letztendlich ist es doch egal, wer da draußen stirbt oder leidet oder so, denn wenn wir mal ehrlich sind – wenn es irgendwo ganz weit draußen im Weltall einen anderen bewohnten Planeten gäbe, und dort stirbt jemand, und wir hören davon... wen würde das interessieren? Und jetzt frage ich: Wo ist da der Unterschied dazu, wenn hier auf der Erde jemand stirbt? Nur die Entfernung. Ein paar Lichtjahre mehr oder weniger. Manche sagen jetzt wahrscheinlich, dass wir Menschen eine große Gemeinschaft sind, und uns das dann nahe gehen MUSS – nein! Käse, Wurscht, und so. Wir sind einfach nur ein Haufen Atome, der hier im Universum vor sich hinlebt. Alles, was wir zu denken oder zu fühlen glauben, sind irgendwelche elektrischen Impulse oder so, was auch immer, jedenfalls ist es dem Universum prinzipiell ziemlich egal, was mit uns passiert.

Depressiv, oder was? Nein, lassen Sie mich doch mal ausreden! Beruhend auf der Tatsache, dass wir eben wirklich nur ein Haufen Atome sind und Gedanken/Gefühle reine Illusion sind, bedeutet das, dass wir eigentlich gar nicht an dem schuld sind, was wir tun! Alles was passiert, kann gar nicht anders passieren, weil die ganzen winzigen Komponenten sich gegenseitig so sehr beeinflussen, dass... naja, wie auch immer, Sie haben es wahrscheinlich sowieso schon verstanden. Was ich damit sagen will: Machen Sie sich keine Sorgen über das, was Sie tun! Es gibt keinen freien Willen, aber das ist entgegen der allgemeinen Meinung nicht schlecht, sondern gut! Lehnen Sie sich zurück und gucken Sie sich den Film an, den man „Leben“ nennt.

Ich weiß nicht genau, ob das alles jetzt überhaupt einen Sinn ergibt, und ich bin mir nicht sicher, ob ich wirklich so denke, wie ich es hier beschrieben habe – aber wie gesagt, vielleicht ist das ja sowieso alles ganz anders! Ich bin halt wirklich ein Meister der Verwirrung, und jetzt, wo Sie das hier gelesen haben, wissen Sie nicht mehr, was Sie denken sollen.

Meint der das wirklich so?
Ist das sarkastisch?
Ist da Gesellschaftskritik drin versteckt? Kritisiert der jetzt genau das, was er zu befürworten scheint, indem er sich in einen Kritisierten hineinversetzt und das sagt, was dieser sagen würde?

Vielleicht.

Sie werden es nie erfahren, und, ehrlich gesagt – ich weiß es selber nicht. Aber, was soll ich sagen, im Prinzip ist mir das auch ziemlich egal.

Das ist wirklich toll – ich kann hier den unzusammenhängendsten Schwachsinn schreiben, und es bringt Sie trotzdem zum Nachdenken, somit erreiche ich mein Ziel, egal, was ich tue. Ist das Leben nicht einfach toll?!

Ich geh jetzt noch was essen und dann geh ich schlafen. Morgen werde ich der Svenja das Kapitel schicken und mich schon auf die nächste Kapitelüberschrift freuen, die sie erfindet. Bis dahin: Viel Spaß!