Kapitel 4: Apfelsaft

So, nach diesen äußermegadolligistischen Philosophierereien werde ich mich jetzt am besten mit etwas einfacheren und volksnäheren Themen befassen. Also, was verbinde ich mit dem Thema Apfelsaft?

Mh, also erstmal steht hier so eine komische Tetra-Pack-Tüte Apfelsaft auf meinem Tisch. Wie kommt die da hin? Naja, höchstwahrscheinlich habe ich sie selbst dort hingestellt. Ich kann mich zwar nicht erinnern, wann und warum, aber anders kann es eigentlich nicht abgelaufen sein, anders als der Apfelsaft, der ist nämlich glaube ich abgelaufen. Naja, er ist sowieso fast leer, von daher ist es nicht so schlimm. Unten im Kühlschrank gibt es auch noch frischen Apfelsaft. Warum ich jetzt nicht den abgelaufenen Apfelsaft wegschütte, mit der leeren Tüte nach unten gehe, sie in den dafür vorgesehenen Abfallbehälter werfe, zum Kühlschrank gehe, mir den frischen Apfelsaft hole und mit ihm nach oben zurückgehe, um ihn dort zu trinken?

Ganz einfach: Ich habe keine Lust dazu. Es ist nicht so, dass ich zu faul wäre, ich bin bloß der Meinung, dass das bisschen Apfelsaft die Mühe nicht wert ist. Ich würde mir ein Glas eingießen, es halb austrinken und dann eine tolle Idee bekommen, was ich mal machen könnte. Das würde ich dann tun und den Apfelsaft vergessen. Er würde dann wohl so lange in meinem Zimmer herumstehen, bis er auch abgelaufen ist, und dann würde sich die ganze Tragödie wieder von vorne abspielen. Von daher weiß ich, dass diese Aktion sinnlos wäre und ich es auch gleich bleiben lassen kann.

Ich habe mir heute Morgen in der Schule auf jede Hand ein hässliches Gesicht gemalt, sodass es, wenn ich die Hände aneinander halte und Daumen und Zeigefinger bewege, so aussieht, als würden diese zwei Gesichter sich streiten. Wenn Sie das nicht interessiert, dann haben Sie Pech gehabt, dieses Kapitel hat nämlich keine Struktur und wird sicherlich noch den einen oder anderen Haken schlagen. Aber wenden wir uns erst einmal einer Thematik zu, die ich schon im letzten Kapitel indirekt kurz angeschnitten hatte, und zwar: Was ist der Sinn des Lebens?

Ich weiß es. Natürlich glauben Sie mir das nicht einfach so, also werde ich es Ihnen wohl sagen müssen. Also, das Leben hat – und jetzt halten Sie sich bitte fest – überhaupt keinen Sinn! Egal, was man tut, irgendwann stirbt man, und wenn nichts schief läuft und meine Berechnungen stimmen, ist man danach auch noch eine ganze Zeit lang tot. Der Tod an sich ist natürlich etwas ziemlich blödes, denn wenn er einem nicht gefällt, kann man ihn nicht einfach umtauschen – es gibt nämlich keine Garantie darauf. Da bringt der Ausruf “Ich tausch nicht mehr, ich will mein Leben zurück”, den die allseits beliebte Wir-Sind-Helden-Sängerin Judith Holografischepokemonkarte einst tätigte (Moritzsche Abschweifung: Eigentlich macht das ja gar keinen Sinn, die Frau widerspricht sich doch selbst! Zuerst sagt sie, sie würde nicht mehr tauschen, und direkt danach fordert sie einen Umtausch, der ja defiti-definitiv als ein Akt des Tauschens definiert werden kann! Mensch, versteh einer die Frauen...), auch nicht mehr viel.

Jetzt ist die Frage: Was kann man dagegen tun? Die Antwort ist: Gar nichts. Aber da es völlig egal ist, was man tut, weil man am Schluss sowieso stirbt, kann man ja auch machen, was man will. Und wenn das nicht stimmt, dann ist es auch egal, es stimmt trotzdem.

Moritzsche Abschweifung: Dominik hatte heute schon wieder seinen lila Pullover an.

Ich muss beichten: Heute war ich in der Stadt. Das alleine wäre ja noch nicht so schlimm, aber ich habe einige schlimme Fehler begangen. Zum Beispiel habe ich folgende Dinge getan (Vorsicht, Menschen mit schwachen Nerven sollten die folgende Aufzählung nicht lesen. Es sind alles sehr brutale Sachen!):
●    Ich habe nicht danke gesagt, als mir jemand die Tür aufgehalten hat. Das geschah allerdings nicht aufgrund meiner unglaublichen Bösartigkeit, sondern weil ich genau in dem Augenblick, wo ich mich bedanken wollte, husten musste.
●    Als ich bei Karstadt die Rolltreppe verließ, die vom Erdgeschoss in den ersten Stock führt, bin ich danach aus Versehen in die falsche Richtung gelaufen.
●    Ich habe auf dem Rückweg einen anderen Fahrradfahrer überholt, ohne ihn vorher mit Hilfe meiner Klingel zu warnen.
●    Ich habe die CD, die ich bei Karstadt gekauft hatte, bei der Rückkehr in die Bibliothek, wie ich es eigentlich hätte tun sollen, in ein Schließfach eingeschlossen, sondern vielmehr einfach in meine Jackentasche gesteckt.

Das sollte reichen, ich will ja auch kein zu schlechtes Licht auf mich selbst werfen. Es tut nämlich ganz schön weh, wenn man von schlechtem Licht am Kopf getroffen wird! Also lasse ich das bleiben und verliere stattdessen einfach mal den Faden.

Äh, wo war ich stehen geblieben? Obwohl, eigentlich bin ich nirgendwo stehen geblieben, ich sitze nämlich die ganze Zeit auf meinem Schreibtischstuhl. Meine Mutter meint übrigens schon seit geraumer Zeit, ich bräuchte einen neuen, aber ich mag ihn und finde ihn bequem. Mein Gesäß ist da anderer Meinung, aber es kann ja nicht sprechen, und somit weiß ich davon auch nichts. Moritzsche Abschweifung: Manchmal, wenn ich huste, fliegen Schleimtropfen aus meinem Mund. Das ist aber nicht schlimm, da ich mir beim Husten die Hand vor den Mund halte, also landet der ganze Schmodder da und ich kann ihn an etwas dafür Gedachtem abwischen.

So, ich bin vom Thema abgekommen, und da das nicht besonders bekömmlich ist, bekommen Sie jetzt noch Informationen über ein anderes Thema, und zwar über das, was ich so mache. Ich sitze hier in meinem Zimmer und schreibe diese Geschichte. Ich schreibe ganz viele Sätze, viele Wörter und noch vielere Buchstaben. Es ist nicht möglich, darüber zu schreiben, was man tut, ohne darüber zu schreiben, dass man schreibt, denn wenn man schreibt, dann schreibt man ja, und dann kann man nicht einfach, wenn man schreibt, was man macht, schreiben, dass man nicht schreibt, sondern was anderes tut, weil das ja nicht stimmen würde, denn man schreibt ja eigentlich doch. Moritzsche Abschweifung: Ich verstehe nicht viel vom Thema “Psychoanalyse im Spätwerk von Franz Kafka”, aber haben Sie schon mal Stracciatella-Kuchen gegessen? Der schmeckt echt gut, kann ich nur empfehlen! Naja, eigentlich schreibe ich ja nicht nur. Nebenbei unterhalte ich mich noch über einen sogenannten Instant-Messenger (andere Schreibweise: Instand-mess-anger, englisch für Einstands-Unordnungs-Ärger) mit dem Svenja und seiner Freundin, der Bene. Oder waren es die Svenja und ihr Freund, der Bene? Oder gar das Svenja und meine Oma, die Ruth? Nein, zweiteres, wenn ich mich nicht irre.

Also, wie ich schon mal verschwiegen hatte, tu ich grade chatten tun (Moritzsche Abschweifung: Ach verdammte Scheiße, Kacke, Scheibenkleister, verdammtnochmal! Jetzt hatte ich noch einen Keks übrig, und trotzdem habe ich schon in die Kekstüte gegriffen, um Nachschub zu holen. Kann ich Idiot nicht aufpassen? Ich Kuppel-pelz! Ich wurmstichischer Sündenpfuhl! (Das Copyright für diese Schimpfwörter liegt bei Schorsch Büchner.)), nebmbei hör ich auch noch Musik, und zwar die neue CD von den Kings Of Leon. Ich bin mir noch nicht wirklich sicher, was ich davon halten soll, aber es ist ja eigentlich auch egal. So wie das meiste. Oder alles. Außer natürlich, nee, lassen wir das, das wird jetzt zu privat. Äh, ich meine, ich werde zum Pirat. Ahoi!